|
|
21.11.2005,
Simon Zurbrügg Ein 15-Tonnen Koloss - allein mit Muskelkraft gezogen
Die Oberburger Jenni Energietechnik AG lud zu einem besonderen Anlass: Wer wollte, konnte helfen, den Solarspeicher für das europaweit erste voll solarbeheizte Mehrfamilienhaus zu verschieben. Noch hat der Transport nicht begonnen, doch bereits zücken einige Besucher ihre Fotokameras. Rund 140 Menschen haben sich in der grössten Halle des Solarunternehmens Jenni Energietechnik AG in Oberburg eingefunden. Und tatsächlich, der Koloss, der sich längs vor ihren Augen auf dem Boden erstreckt, sucht seinesgleichen: Der 17 Meter hohe zylinderförmige Solarspeicher hat einen Durchmesser von 4 Metern und bringt 15 Tonnen auf die Waage. Das Volumen beträgt 205 000 Liter. Der Speicher soll aber nicht hier bleiben, sondern dank Muskelkraft zu einer nahe gelegenen Baustelle gelangen. Denn die Jenni Energietechnik AG erstellt momentan in Oberburg das erste völlig solar beheizte Mehrfamilienhaus Europas. Acht Wohnungen sind darin vorgesehen. Sogar aus dem Ausland «Wir bauen das Mehrfamilienhaus, um Mietern das Heizen mit Sonnenenergie zu ermöglichen. Gleichzeitig wollen wir die Machbarkeit beweisen», erklärt Erwin Jenni, Miteigentümer der Jenni AG. Bis jetzt würden solche Systeme nur in Einfamilienhäusern installiert. Derweil wendet sich sein Bruder Josef Jenni, der das Unternehmen vor gut drei Jahrzehnten gegründet hat, per Mikrofon ans Publikum. Er erklärt, wie der Solarspeicher transportiert und aufgerichtet wird. Wer beim Mitziehen zur Baustelle mitmache, müsse die bereitgestellten Handschuhe tragen. Davon lassen sich die Leute nicht abhalten; gerade im Helfen liegt das Spektakel. Der Solarspeicher bewegt sich langsam aus der Produktionshalle, wobei er auf der Achse und den dazugehörigen vier Rädern eines ausrangierten Lastwagens liegt. Stützen auf der Seite sollen ein Umkippen verhindern. Viele Leute ziehen an den Seilen, die vom Speicher wegführen. Unter den Anpackenden ist Gerold Weber aus Achern in Deutschland. Er hat zusammen mit 30 Beschäftigten aus Betrieben der Solar-Einkaufsgemeinschaft Bayern und Baden-Württemberg den Weg in die Schweiz angetreten. Auch ein Schweizer Fernsehteam wartet auf. «Schwerer vorgestellt» Mittlerweile steht der Solarspeicher auf dem Geissrüttiweg. Josef Jenni instruiert die Beteiligten. Diese sind trotz der tiefen Temperaturen voll bei der Sache. So auch Maurus Kaufmann aus Seon AG. «Ich habe mir das Ziehen viel schwerer vorgestellt», erklärt der freiwillige Helfer. Gegen Mittag ist die Baustelle erreicht. Der Solarspeicher befindet sich beim Fundament. Der Plan sieht vor, dass er im vorgesehenen Schacht aufgestellt und fertig angepasst wird. Erst am späten Nachmittag wird das aber so weit sein. Flaschenzüge, die an einem grossen Gerüst über dem Schacht hängen, sowie eine Art dreieckiger Bock zum Drehen des Speichers erleichtern die Ausführung. Stützen und Räder am Speicher werden nun abmontiert. «Ein Markstein» Rund um den durch Bänder abgesperrten Teil der Baustelle verfolgen die Zuschauer mit einem Sicherheitsabstand die Szenerie. Sie dürfen nun nicht mehr selbst Hand anlegen. Die echten Solarfans stört es nicht, wenn die Arbeit etwas dauert. «Ich habe seit dreissig Jahren Sonnenkollektoren auf meinem Dach und bin sehr zufrieden», erklärt Walter Weiss aus Hettlingen ZH. Er freut sich über das neue Mehrfamilienhaus. «Das ist ein Markstein in der Nutzung der Sonnenenergie.» |
|
|