15.05.2007, Stephan Künzi


Bilder aus der BZ vom 15.05.2007

 

Jenni will wieder etwas beweisen

Das erste allein von der Sonne beheizte Mehrfamilienhaus ist in groben Zügen fertig. Bauherr Josef Jenni gewährt einen Blick ins Innere – und welche Überraschung: So unkonventionell sind die Wohnungen gar nicht.

So sieht eine Wohnung im ersten Mehrfamilienhaus aus, das dereinst voll und ganz mit Hilfe der Sonne beheizt wird. Grau sind die Bodenplatten, weiss die Wände und die Kunstharzkombination in der Küche, im Hintergrund geht der Blick durch eine grosse Fensterfront hinaus in den Garten. Oder das, was nach Abschluss der Bauarbeiten im Spätsommer Garten werden soll.

Nichts Aussergewöhnliches auf den ersten Blick also. Wenn da, dem Baustellenbetrieb sei Dank, im Treppenhaus nicht noch die Wand offen wäre. Das Loch, das später mit einem Blech zugemacht wird, gibt den Blick frei auf einen riesigen Wassertank. Silbrig glänzt die von Maschendraht eingepackte Isolationsfolie im schwachen Tageslicht.

Ohne Zusatzheizungen

Der Tank, der vom Keller bis hinauf in den Estrich reicht, ist das Herzstück im Achtfamilienhaus, das Josef Jenni mit seiner Solarenergiefirma im Burgdorfer Südquartier nahe des Bahnhofs Oberburg baut. Er fasst gut 200000 Liter Wasser und ist im Innern 63 bis 73 Grad warm – es ist die gespeicherte Energie aus den 276 Quadratmetern Sonnenkollektoren, die das Satteldach in Beschlag nehmen. Dabei ist der Tank viel zu gross dimensioniert.

In einem normalen Winter, sagt Jenni, kämen die Bewohner wohl mit einem weit kleineren Energiespeicher über die Runden. Aber eben. Das Haus ist eine Pioniertat, da rechnet man automatisch Reserven ein. Zumal die Sonne allein genügen muss; Zusatzheizungen zum Überbrücken sind tabu.

Ausgeklügelte Belüftung

Das alles hat Jenni vor Wochenfrist all jenen erklärt, die am nationalen Tag der Sonne durch den Rohbau gestreift sind. Und fährt jetzt, da er für die BZ nochmals die Türen aufmacht, fort: Ausserhalb aller energietechnischen Fragen sei das Haus konventionell gebaut. Den Strom beziehe es vom Netz, die Materialien seien zwar bewusst gewählt, entsprächen aber nicht den strengen baubiologischen Richtlinien.

Einen umso grösseren Aufwand hat Jenni betrieben, um zu verhindern, dass aus dem Gebäude viel Wärme entweicht. Die Isolation ist besonders dick und besteht aus einem speziellen Material, das eine zusätzliche Dämmung verspricht. Ähnliches gilt für die Fenster, dazu kommt ein ausgeklügeltes Belüftungssystem, das der Abluft die Wärme entzieht. Dank ihm müssen die Fenster zum Lüften nicht geöffnet werden.

Verkaufen oder vermieten

Jenni verhehlt nicht, dass solche Extras ihren Preis haben. Er schätzt, dass etwa 1 Million der 4,5 investierten Millionen auf das Konto der unkonventionellen Heizerei geht. Dessen ungeachtet glaubt er, mit den acht 2½- bis 5½-Zimmer-Wohnungen preislich im Markt mithalten zu können, ob er sie nun vermietet oder verkauft. Zumal er das Gebäude dank Geldern und Darlehen der Aktionäre günstig habe finanzieren können und zudem darauf verzichte, im grösseren Stil Gewinn abzuschöpfen.

Umso mehr zählt für ihn der Werbeeffekt für die Firma, weil die Medien, wie er zufrieden feststellt, regelmässig über sein Vorhaben berichten. Dass ein nur von der Sonne beheiztes Mehrfamilienhaus auch künftig eher die Ausnahme ist, ist ihm bewusst. In der Regel sei – für einen kleinen Teil der benötigten Wärme – die Kombination mit einem Holzofen sinnvoller und wirtschaftlicher. Er wolle mit dem Neubau einfach zeigen, «dass es funktioniert» – so, wie er es vor 20 Jahren mit dem ersten, ebenfalls nur mit Sonne beheizten Einfamilienhaus bereits einmal durchgespielt und bewiesen hat.

 


Jenni Energietechnik AG