21.11.2005, Oliver Portmann

Sonne beheizt auch Mietwohnungen

Am Samstag kam in Oberburg der Wärmespeicher des ersten ausschliesslich solarbeheizten Mehrfamilienhauses auf die Baustelle

Etwa hundert solarbegeisterte Idealisten halfen am Samstag, den fünfzehn Tonnen schweren Wärmespeicher nur mit Muskelkraft an seinen Platz zu bringen. Das Spektakel lockte von weitherum viele Interessierte an.

Die Idee ist verlockend: Im Sommer haben wir mehr Sonnenwärme, als wir brauchen, im Winter hingegen reicht die Sonnenwärme nicht, und wir müssen mit anderen – meist fossilen – Energieträgern nachhelfen. Wenn es nun eine Methode gäbe, um den sommerlichen Wärmeüberschuss für den Winter aufzubewahren, dann könnten wir uns das Heizöl und seine negativen Einflüsse auf das Klima sparen. Doch wie soll das gehen?

«Es geht nicht», sagten sich die meisten, die 1982 ein Inserat in der Zeitschrift der Schweizerischen Vereinigung für Sonnenenergie lasen, in dem sich die Firma Jenni Energietechnik AG anpries, eine «Ganzjahres-Sonnenenergieheizung» bauen zu können. Im Inserat stand, die Anlage benötige keine Zusatzheizung und koste 200 000 Franken. «Als wir keinen Kunden fanden, ergriffen wir 1989 die Möglichkeit, ein derartiges Haus für uns selbst zu bauen», schreibt die Firma auf ihrer Homepage. Heraus kam das «Sonnenhaus» in Oberburg im Emmental.

«Wie ein Einmachglas»

Der Trick dabei ist der Einsatz des von Elektroingenieur Josef Jenni entwickelten Saisonspeichers. Laut Josef Jennis Bruder Erwin ist ein Saisonspeicher vergleichbar mit einem Einmachglas: Man braucht im Winter das, was man eigentlich im Sommer bekommen hätte – beim Einmachglas sind es die Früchte, beim Speicher ist es die Wärme. «Auch unser Speicher enthält vor allem Luft», sagte Josef Jenni am Samstag mit Anspielung auf den Emmentaler Käse.
Seit dem Bau des «Sonnenhauses» ist der Elektroingenieur Josef Jenni ein Schwergewicht in der Solarszene. Und so verwundert es nicht, dass die Errichtung des 15 Tonnen schweren, 17 Meter hohen und 4 Meter dicken Solarspeichers für das erste vollständig solarbeheizte Mehrfamilienhaus letzten Samstag Schaulustige und Freiwillige aus dem In- und Ausland anlockte. Aus Deutschland reisten etwa vierzig Leute an, darunter Joachim Lippert, Berater bei der Firma Zukunft Sonne GmbH. Er sei aus privatem und beruflichem Interesse hier, denn «das hier ist eine Grössenordnung, die einmalig ist».

315 000 Franken Mehrkosten

Erwin Jenni erklärt die Bedeutung des Baus: Viele Interessierte hätten gesagt, sie könnten keine Solarheizung einbauen, weil sie Mieter seien. Deshalb wolle sein Bruder nun die Machbarkeit eines vollständig solarbeheizten Mehrfamilienhauses unterstreichen. Im Neubau werden drei 4,5-, drei 5,5- und zwei 2,5-Zimmer-Wohnungen entstehen.
Der Preis für die Heizanlage beläuft sich laut einer Mediendokumentation auf 315 000 Franken (etwa 40 000 Franken pro Wohnung), was weniger als 10 Prozent der Gesamtbaukosten von etwa 3 Millionen Franken ausmacht. Die Wohnungen werden laut Dokumentation «zu marktüblichen Mieten» zu haben sein, aber keine externen Heizkosten verursachen.

Einladung zum Nachmachen

In seiner Begrüssungsansprache an die freiwilligen Helfer dankte Josef Jenni nicht nur den Anwesenden, den Kunden und den Aktionären, sondern auch seinen Konkurrenten, «die dasselbe Ziel verfolgen» – nämlich das Umsteigen auf Solarenergie zum Schutz des Klimas. «Auf unserem Haus steht übrigens kein Copyright; Nachahmung wird wärmstens empfohlen.»


Jenni Energietechnik AG