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Der staatlich kontrollierte russische Gasmonopolist Gasprom und
Weißrussland haben ihre Verhandlungen über höhere Gaspreise ab
2007 ergebnislos abgebrochen. Zuvor hatte Gasprom den Preis für
1000 Kubikmeter Gas auf 200 $ vervierfacht.
Im Laufe der Gespräche bot der russische Monopolist dann zwar
eine Preisreduzierung an, forderte im Gegenzug jedoch die
Kontrolle über weißrussische Transitpipelines.
Die Verhandlungsstrategie von Gasprom
zeigt, wie massiv das Unternehmen aus der Rolle des einfachen Gasförderers
drängt. Der Konzern verfolgt das Ziel, die gesamte
Versorgungskette unter seine Kontrolle zu bringen - von der Förderung
bis hin zum Endverbraucher in Europa. Entsprechende Abkommen hatte
das Unternehmen unlängst in Italien und Frankreich geschlossen.
Im Kern der Verhandlungen zwischen Gasprom und Weißrussland
steht das Transitunternehmen Beltransgas, das den Gastransit nach
Westeuropa kontrolliert. Das Angebot, wonach der russische
Energiekonzern bereit ist, für eine Mehrheitsbeteiligung
teilweise auf die Preiserhöhung zu verzichten, hat die weißrussische
Seite bisher abgelehnt. Sie befürchtet eine zu große Abhängigkeit
von Moskau. Die Kontrolle über die Transitleitungen hatte auch in
den Verhandlungen Gasproms mit der Ukraine und mit Georgien eine
Rolle gespielt.
Sollte das politisch isolierte Weißrussland die höheren
Preise letztendlich akzeptieren, drohen dem Land zumindest
kurzfristig schwere wirtschaftliche Probleme. Die kaum reformierte
Industrie des Landes gilt unter Ökonomen als sehr abhängig von
billiger Energie. Es stünde dann vor enormen Anpassungsproblemen.
Ein großer Teil der weißrussischen Wirtschaft verarbeitet
russische Ölprodukte weiter.
Im vergangenen Jahr hatte Gasprom bereits die Preise für die
Ukraine abgehoben. Danach hatte das Land einen schweren Einbruch
beim Wirtschaftswachstum erlitten.
Bereits im Vorfeld der Verhandlungen mit Weißrussland hatte
Gasprom gewarnt, das Land gefährde seine Energieversorgung,
sollte es den geplanten Preiserhöhungen nicht zustimmen. Die
bisherige Vereinbarung, nach der Minsk 46 $ pro 1000 Kubikmeter
Gas bezahlt, läuft nach russischen Angaben Ende Dezember aus. Ab
2007 hat Gasprom bereits die Preise für die ehemaligen
Sowjetrepubliken Georgien, Moldawien, Aserbaidschan und Ukraine
teilweise deutlich erhöht.
In Westeuropa wächst derzeit erneut die Sorge vor möglichen
Einschränkungen der Gaslieferungen aus Russland. Die
Jamal-Pipeline durch Weißrussland ist eine der wichtigsten
Transitleitungen für Erdgas nach Westeuropa. Vor einem Jahr hatte
Gasprom der Ukraine das Gas abgedreht und damit auch einen
Druckabfall in westeuropäischen Leitungen ausgelöst.
Gasprom-Sprecher Sergej Kuprijanow schloss derartige Probleme
in diesem Jahr jedoch aus: "Es gibt keinen Grund zur Sorge für
westliche Konsumenten", sagte er im russischen Fernsehen.
Nach Berichten der Nachrichtenagentur Reuters wurden in
Gasspeichern in Deutschland und in Österreich bereits Vorräte für
mögliche Ausfälle angelegt.
Georgien sorgte Ende vergangener Woche für eine Überraschung.
Nachdem das Land die russischen Preisforderungen zunächst
abgelehnt hatte, hat es sie jetzt doch akzeptiert. Das mit
Russland wegen seiner prowestlichen Orientierung zerstrittene Land
setzt dabei allerdings auf alternative Lieferungen aus
Aserbaidschan und langfristig auch aus Turkmenistan. Dessen
diktatorisch regierender Präsident Saparmurad Nijasow war in der
vergangenen Woche gestorben. Sein Tod hat Hoffnungen auf eine neue
Energiepolitik des Landes auslöst.
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