
28.
Dezember 2006, www.netzeitung.de
Merkel sucht Alternativen zu russischem GasUm Weißrussland ohne Risiko für Europa den Gashahn abdrehen zu können, will Gasprom mehr Gas durch die Ukraine leiten. Bundeskanzlerin Merkel verlangt mehr europäische Einigkeit in Energiefragen.
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| Russland will seine Gaslieferungen durch
die Ukraine erhöhen, um im Gasstreit mit Weißrussland möglichen
Versorgungsengpässen in Europa vorzubeugen. Der russische Staatskonzern
Gasprom verhandele mit der Ukraine, um die Lieferung durch das
Nachbarland zu steigern, berichtete die russische Tageszeitung «Kommersant»
am Donnerstag. Die Gaslieferungen könnten jedoch höchstens um vier bis
fünf Prozent erhöht werden. Auch Deutschland bezieht sein Gas hauptsächlich
über die Ukraine.
Am Mittwoch hatte Gasprom-Chef Alexej Miller Weißrussland gedroht, am 1. Januar die Gaslieferungen einzustellen, sollte Minsk die höheren Gaspreise nicht akzeptieren. Gasprom will künftig 200 Dollar für 1000 Kubikmeter Gas haben. Bisher zahlt Minsk 46 Dollar. Minsk will Transit-Gebühren notfalls erhöhen Die weißrussische Regierung drohte daraufhin damit,
die Transit- Gebühren für Gas nach Westeuropa zu erhöhen. Man befände
sich in wechselseitiger Abhängigkeit, hatte der weißrussische
Vize-Ministerpräsident Wladimir Semaschko gewarnt. Russland pumpt der
russischen Nachrichtenagentur Interfax zufolge jährlich 44 Milliarden
Kubikmeter Gas durch Weißrussland nach Westen. Das sind 29 Prozent des
russischen Gasexports.
Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) appellierte am
Donnerstag an die beiden Konfliktparteien, «schnellstmöglich eine
tragfähige Vereinbarung über den Preis des von Gasprom an Weißrussland
gelieferten Gases zu erreichen». Damit sollten die beiden Länder ihre
Verlässlichkeit sowohl als Liefer- als auch als Transitland unter
Beweis stellen. Die deutschen Versorger Eon Ruhrgas und Wingas befürchten
in Deutschland keine Versorgungsschwierigkeiten.
Merkel will unabhängiger von Russland werden Vor dem Hintergrund des Gasstreites forderte
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), sich stärker nach neuen
Energielieferanten umzuschauen: «Europa muss seine Abhängigkeiten
reduzieren, um seine Energieversorgung langfristig zu sichern», hieß
es in einem Gastbeitrag für das «Handelsblatt». «Dies sei ein Gebot
ökonomischer und vor allem sicherheits- und friedenspolitischer
Vernunft». Die Regierungschefin verlangte zudem, Europa müsse in
Energiefragen mit «einer Stimme sprechen». Dabei verweist Merkel vor
allem auf Russland, das sie als «wichtigen Energiepartner» bezeichnet.
«Wir werden mit Russland über ein neues Partnerschafts- und
Kooperationsabkommen verhandeln, das ein ehrgeiziges Energiekapitel
enthalten soll.» (nz) |
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