Stehen wir am Peak Oil – und wie lange ist Kohle eine Alternative?

Welt-Erdölförderung und deklarierte Reserven (PDF, 44 kB)
Welt-Erdgasförderung und deklarierte Reserven (PDF, 40 kB)
Welt-Kohleförderung und deklarierte Reserven (PDF, 36 kB)
Kommentar  (PDF, 56 kB)

 

Die vom Energiekonzern British Petroleum jeweils im Juni publizierten Zahlen zur Weltenergieproduktion und zum Weltenergieverbrauch bestätigen für das Berichtsjahr 2007 im Grundsatz die Trends, die sich bereits in den Vorjahren abgezeichnet haben, und sie werfen gleichzeitig die Frage auf, ob wir den soge­nannten Peak Oil, den historischen Höhepunkt der Erdölförderung, in diesen Jahren erreicht oder allenfalls bereits überschritten haben. Es gibt gewichtige Indizien, dass dies der Fall sein könnte.

  Die Weltenergieproduktion hat weiter zugenommen, wenn auch mit einem gegen­über den Vorjahren abgeschwächten Wachstum (+ 1.4%); die Erdölproduktion hingegen konnte nicht mehr weiter gesteigert werden und nahm gesamthaft um 0,2% ab. Weiterhin steigend ist der Erdöl­verbrauch, der um 1,1% zunahm.

  Vor dem Hintergrund eines seit sechs Jahren ansteigenden Ölpreises und einer dro­henden Verknappung des Angebots und entsprechenden politischen Appellen zur Produktionserweiterung haben verschiedene Förderländer, deren Produktion in den letzten Jahren mehr oder weniger stetig zurückgegangen war, Anstrengungen zu einer Ausweitung unternommen und deshalb ihre Produktion gegenüber dem Vor­jahr leicht steigern können (USA, Ägypten, Malaysia, Kolumbien, Australien, Indien).

  Ausschlaggebend für den leichten weltweiten Rückgang der Erdölförderung waren die Minderproduktion in wichtigen Förderländern wie Saudi-Arabien, Kuwait, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Nigeria. Gerade bei den traditionellen Förder­staaten des Nahen Osten stellt sich die derzeit noch offene Frage, ob sie die Förde­rung bewusst nicht am Maximum halten oder ob sie tatsächlich nicht mehr fördern können. Einen weiteren Produktionsrückgang musste auch Indonesien verzeichnen, das sich angesichts seines beträchtlichen Eigenverbrauchs als Exportland und in der Zwischenzeit folgerichtig auch als OPEC-Mitglied verabschiedet hat.

  Die deklarierten Erdölreserven verharrten ungefähr auf dem Stand des Vorjahres und wurden leicht unter dessen Wert ausgewiesen.

  Der Anteil des Erdöls an der Welt-Energieproduktion hat weiter abgenommen (auf 35.4%), dagegen haben die Anteile von Erdgas und Kohle (auf 24.1 bzw. 28.4%) weiter zugenommen.

 

Ist Kohle eine Alternative? Nur für den Moment. Kohle wird derzeit gefördert auf Teufel komm raus, insbesondere in China. Die Länder Südostasien (inkl. Indien und China) konsumieren die Hälfte des Weltverbrauchs. Auch die Renaissance der Kohle hat ein Ablaufdatum!

  Bei der Kohle hat sich China sowohl als Produzent wie auch als Konsument mit Prozentanteilen von nunmehr über 40% am Welt-Gesamttotal noch deutlicher in Szene gesetzt. Nach den Produktionssteigerungen seit dem Beginn des laufenden Jahrzehnts ist China seit 2006 wieder zum Importeur von Kohle geworden!

  Aber auch Kohle ist ein Energieträger, der sich mittelfristig erschöpfen wird. Auffallend ist, dass verschiedene Staaten ihre Kohlereserven nach unten korrigiert haben; insbesondere ist dies bei Indien der Fall (daneben auch bei der Türkei, Indonesien, Polen, Tschechien, Australien, Brasilien). Mit Ausnahme von Indien sind die Zuwachsraten der Hauptförderländer von Kohle am Abnehmen.

  Bei der Kohle ist vor allem dies von Bedeutung: Im Gegensatz zu Erdöl und Erdgas gibt es nur sehr wenige Exportländer mit nennenswerten Quoten (vor allem Austra­lien, Russland, Südafrika, Kolumbien). Die Menge, die Australien als weitaus bedeutendster Exporteur auf den Markt bringt, macht nur 5,1% des Weltverbrauchs aus, die Gesamtmenge der weltweit aus Exporten zur Verfügung stehenden Kohle beträgt wenig mehr als 12% des Weltverbrauchs (beim Erdöl sind es ca. 58%).

Beim Erdgas hat sich der kontinuierliche Zuwachs der Weltproduktion fortgesetzt; es wurden zudem etwas höhere Reserven ausgewiesen. Dennoch ist auch hier zu beobach­ten, dass es Produzentenländer gibt, die ihr Fördermaximum überschritten haben (zu diesen gesellt sich nun auch Indonesien) oder die kurz vor diesem stehen.

Colin J. Campbell, Geologe und Gründer der „Association für the Study of Peak Oil and Gas“ (Aspo), einem internationalen Netzwerk von Wissenschaftern und Sensibili­sierten für die Energieproblematik, bringt es auf den Punkt: „ …wir müssen dem fundamentalen Wechsel von der ständigen Steigerung hin zur stetigen Abnahme der Fördermengen ins Angesicht schauen. Angesichts der zentralen Bedeutung einer auf Öl basierenden Wirtschaft für unsere moderne Welt wird der Übergang zu sinkenden Fördermengen und den damit verbundenen wirtschaftlichen Schwierigkeiten eine Zeit grosser Herausforderungen, auf die wir schlecht vorbereitet sind. Es sind vermehrt Kriege um Ressourcen zu erwarten, denn die ölabhängigen Länder kämpfen um den Zugang zu Vorräten.“ (Energie&Umwelt, 1/2008, S. 3).

Und was können wir tun in dieser Situation?

Anstatt sich weiterhin auf die begrenzten und umweltschädlichen Energiequellen auszurichten, und dabei in einer Abhängigkeit von wenigen Förderstaaten zu ver­harren, wäre es an der Zeit, die alternativen erneuerbaren und umweltfreund­lichen Energieträger entschiedener zu fördern, und damit auch die einheimische Energie und das einheimische Gewerbe.

 

 

 

Jenni Energietechnik AG