China

   
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China verbraucht immer mehr Erdöl
Quelle: ©Chappatte, http://www.globecartoon.com
China schlürft das Öl von Afrika weg
Karikatur: Jenni AG / Orlando Eisenmann
   
Bedingt durch eine fortschreitende Industrialisierung und einen steigenden Lebensstandard weist China seit rund zwei Jahrzehnten beeindruckende wirtschaftliche Zuwachsraten auf – die auf einem entsprechend zunehmenden Konsum an Energie basieren. China ist nach den USA der weltweit grösste Verbraucher und der drittgrösste Importeur von Erdöl (6% der globalen Erdölimporte). Auch China, dessen Erdölkonsum sich von 1995 bis 2005 verdoppelt hat, ist seit 1993 trotz eigener grosser Produktion nicht mehr in der Lage, seinen Energiebedarf selber zu decken, und ist deshalb in zunehmendem Masse auf Importe angewiesen. China ist nach Indien diejenige Weltregion mit dem höchsten erwarteten Energiebedarf. China ist deshalb auf dem Weltmarkt wie auch auf der internationalen politischen Bühne ein neuer Hauptakteur – und Rivale derjenigen Mächte, die bislang dominierend waren.
   
Verbrauch und Produktion von Erdöl in China 1965 – 2004 (in 1000 Barrel/Tag)

Quelle: BP (2005), zitiert in http://www.realinstitutoelcano.org/documentos/226.asp

China: Erdölverbrauch und Erdölimporte 2004 – 2030 (in Millionen Barrel/Tag)

 

 

 

Quelle: IEA (2004), zitiert in: http://www.realinstitutoelcano.org/documentos/226.asp

   

Energiebedarf 2004 und 2030 (Erdöläquivalente in Millionen Barrel /Tag)

 

 

2004

%

2030

%

Increase

North America

55

25.0

69

20.6

25

Latin America

13

5.9

24

7.2

85

Europe

39

17.7

46

13.7

18

Russia and Caspian region

20

9.1

28

8.4

40

China

26

11.8

52

15.5

100

Japan

11

5.0

12

3.6

9

Africa

12

5.5

19

5.7

58

Middle East

11

5.0

18

5.4

64

India

11

5.0

29

8.7

164

Rest of Asia Pacific

22

10.0

38

11.3

73

Total

220

100.0

335

100.0

52

Quelle: Exxon Mobil (2004) and own calculations. Zitiert in: http://www.realinstitutoelcano.org/documentos/226.asp

 

 

Auch wenn die chinesischen Erdölimporte derzeit bloss rund 10 Prozent des eigenen Energieverbrauchs ausmachen, nehmen sie rapide zu (rund 13% jährlich seit 1994), teilweise auch um den Anstieg der wenig effizienten und umweltbelastenden Kohleförderung nicht noch grösser werden zu lassen. China ist bestrebt, die Lieferanten des importierten Öls zu diversifizieren und ist dabei ausgesprochen an langfristigen Verträgen interessiert. Es tendiert auch dazu, eine Abhängigkeit von Erdölimporten aus dem Mittleren Osten zu reduzieren, bzw. generell aus denjenigen Regionen, wo die US-amerikanischen und britischen Erdölgesellschaften dominant sind. 2001 machte der Anteil des aus afrikanischen und iranischen Quellen importierten Erdöls bereits 53% aus.

   

 

 

 

 

 

Afrika besitzt zwar bloss 9 Prozent der weltweiten Erdölreserven, die aber vergleichsweise noch wenig ausgebeutet sind. Die Fördermengen nehmen jedoch zu, gerade auch, weil in anderen Regionen der Welt die Produktion ihren Höhepunkt überschritten hat. Afrikanisches Erdöl ist in vielen Fällen von hoher Qualität und schwefelarm, und deshalb entsprechend begehrt. Die USA und China sind deshalb besonders am afrikanischen Erdöl interessiert. China bezieht derzeit rund einen Drittel seiner Erdölimporte aus Afrika; zwei Drittel der afrikanischen Exporte nach China bestehen aus Erdöl. Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Afrika und China sind damit schwergewichtig ölbezogen.

Geographische Herkunft der chinesischen Erdölimporte 1991 - 2001

Quelle: APERC (2003), p. 38., zitiert in: http://www.realinstitutoelcano.org/documentos/226.asp
Hinweis: Bezüglich Importmengen können sich jährlich gewisse zum Teil zufällige Differenzen ergeben

 

Quelle: http://news.bbc.co.uk/1/hi/world/asia-pacific/6112360.stm

Quelle: http://news.bbc.co.uk/2/hi/business/6111256.stm

   
Die USA und Europa sind nach wie vor mit je rund einem Drittel die Hauptbezüger von afrikanischem Erdöl, China liegt derzeit bei rund 9 Prozent, mit steigender Tendenz. Die afrikanischen Hauptlieferländer Chinas sind Angola, die Republik Kongo (mit Hauptstadt Brazzaville), der Sudan und Äquatorialguinea. Aber auch die Exporte anderer Staaten wie Nigeria, Tschad, Gabun und Kamerun weisen eine zunehmende Tendenz auf. China investierte insbesondere in Förderanlagen in Angola und Sudan. Die Konflikte im Sudan mit ihren äusserst komplexen Entstehungshintergründen, insbesondere die Vorkommnisse in der westlichen Darfur-Region, entwickelten sich zum politischen Schauplatz der Auseinandersetzung zwischen den USA und China. China ist Hauptlieferant von Rüstungsgütern für das von ihm dadurch gestützte Regime in Khartum.
 

China bezieht sein afrikanisches Erdöl vor allem aus den neueren Förderländern!

 

 

Datenquelle: http://www.bp.com (Statistical Review of World Energy 2007)
Darstellung: Jenni Energietechnik AG (mehr Informationen zu den Weltenergietrends aus dem Dossier Weltenergietrends 2007, wo auch detaillierte Informationen über die Weltenergiesituation und die Förder – und Verbrauchsdaten anderer Staaten enthalten sind)

 

Chinas wirtschaftliches Interesse an Afrika und seine wachsende auch politische Präsenz in diesem Kontinent als zusätzlicher ernstzunehmender Akteur tragen ihm deshalb auch den Vorwurf ein, sich wie eine neue Kolonialmacht zu verhalten, gerade auch, weil Aspekte wie Menschenrechte für China nicht an oberster Stelle stehen. China als Spätankommender im internationalen Erdölkarussell sah sich allerdings mit der Situation konfrontiert, dass die wesentlichen Quellen von den grossen westlichen Gesellschaften bereits besetzt waren.
 

 

Chinas Interesse an Afrika ist allerdings nicht ausschliesslich auf Erdöl fixiert, sondern auf Rohstoffe generell, insbesondere auf Metalle (Kupfer, Eisen, Mangan, Kobalt, Nickel, Gold, Uran), aber auch auf Holz und zunehmend auch auf landwirtschaftliche Erzeugnisse (z.B. Baumwolle).

Quelle: Chinas Rohstoffhunger. Auswirkungen auf Afrika und Lateinamerika (Deutsche Bank Research, Aktuelle Themen 359, S. 1)

 

 

 

Die prognostizierte Nachfrage nach importierten Rohstoffen zeigt aussergewöhnliche Zuwachsraten auf:

 

 

Quelle: Chinas Rohstoffhunger. Auswirkungen auf Afrika und Lateinamerika (Deutsche Bank Research, Aktuelle Themen 359, S. 2)

 

China investiert auch in entsprechende Förderanlagen zur Rohstoffgewinnung, daneben aber auch in Infrastruktureinrichtungen ohne direkten Zusammenhang
 mit seinen Handelsinteressen, ins Gesundheits- und Bildungswesen und in die Landwirtschaft, was in afrikanischen Staaten auf positive Gegenreaktionen
stösst. Der Anteil der chinesischen Auslandsinvestitionen in Afrika ist derzeit
noch gering, wird aber in den kommenden Jahren markant zunehmen.

     

Quelle: Chinas Rohstoffhunger. Auswirkungen auf Afrika und Lateinamerika
(Deutsche Bank Research, Aktuelle Themen 359, S. 7)

 

 

Der Handel Chinas mit Afrika konzentriert sich auf einige wenige Staaten, die von der wachsenden chinesischen Nachfrage profitieren können, aber dadurch auch ein Abhängigkeitsverhältnis geraten.
 

 

Quelle: Chinas Rohstoffhunger. Auswirkungen auf Afrika und Lateinamerika (Deutsche Bank Research, Aktuelle Themen 359, S. 5)

 

Zunehmend tritt China in Afrika auch als Kreditgeber auf, in Konkurrenz zur Weltbank, aber mit weniger einschneidenden Konditionen. Bei der Auswahl seiner afrikanischen Partner orientiert sich China nicht an den Menschenrechten und stellt auch kaum politische Bedingungen. Afrika wird auch zunehmend zum Absatzmarkt von chinesischen Fertigprodukten.

 

China ist, auch quantitativ, nicht oder noch nicht diejenige Macht, die sich am stärksten an Afrika bedient. Aber China wird zunehmend zu einem gewichtigen Mitspieler und trägt dazu bei, dass die Fixierung und Reduzierung Afrikas als Lieferant von Rohstoffen weiter erhalten bleibt. Offen bleibt, ob es den afrikanischen Staaten gelingt, den Rohstoffboom selber für eine nachhaltige Entwicklung zu nutzen und insbesondere auch das eigene verarbeitende Gewerbe zu fördern und die Grundlage für eine eigene höhere Wertschöpfung zu schaffen. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass die Abhängigkeit gegenüber den Rohstoffen und den damit zusammenhängenden weltmarktbedingten Preisfluktuationen wie gegenüber den Veränderungen in der chinesischen Nachfrage zunimmt. Mit Bezug auf den Anteil der nach China gehenden Gesamtexporte weisen einige afrikanische Staaten eine erhebliche Verletzlichkeit auf.

 

 

Quelle: Chinas Rohstoffhunger. Auswirkungen auf Afrika und Lateinamerika (Deutsche Bank Research, Aktuelle Themen 359, S. 9)

   

Chinas Rolle in Afrika und seine Komplizenschaft mit Regimes, welche Menschenrechte missachten, weckt Bedenken und Vorbehalte. Mit seinem wirtschaftlichen Wachstum und den dabei verfolgten Zielsetzungen wiederholt China das Muster, das seinerzeit von Europa gesetzt worden ist. Dafür wird es auch bewundert. Die Konsequenzen dieser Entwicklung sind allerdings noch nicht absehbar.

 

„Die ganze Welt blickt wie gebannt auf ein Land wie China, das eine gewaltige Materialschlacht inszeniert, bei der die übrige Welt begierig assistiert. Am ehesten noch ist vorstellbar, dass ein Kontinent wie Europa etwas früher als andere merken könnte, dass diese Materialschlacht höchst problematisch und gefährlich ist, …, dass da etwas total schief gehen kann.“

(Hans Ruh, Thomas Gröbly, Die Zukunft ist ethisch – oder gar nicht, Frauenfeld, 2006, S. 40)

   

Weiterführende Links

Generell über Chinas Rolle in Afrika
 

1 Gipfel China-Afrika (November 2006)

2 Gipfel China- Afrika (November 2006)
 

Genereller Überblick über Chinas Verbrauch, Bedarf und Import von Erdöl
 

Verschiedene Artikel zur Präsenz Chinas in Afrika
 

Aktivitäten chinesischer Erdölkonzerne in afrikanischen Staaten
 

Gut dokumentierter Überblicksartikel

 

   
  weiter zum Thema Erdöl und Krieg
  weiter zum Thema Kohleföderung
  weiter zum Thema Russland
   
   
 
 

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