Erdöl und Krieg

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Wird das Erdöl knapp, kann Krieg nicht ausgeschlossen werden
Karikatur: Orlando Eisenmann / Jenni AG
   
 
 

 

 

Erdöl ist ein zentraler Faktor für die Energieversorgung der Weltwirtschaft. Die Erdölreserven sind geographisch relativ einseitig verteilt; dasselbe trifft auch für die hauptsächlichen Verbraucher des Erdöls zu. Diese Differenz stellt die Ausgangslage für politische Spannungen bis hin zu Kriegen dar, denn, dies ist hinlänglich bekannt, die Ökonomie des Erdöls ist eine politische Ökonomie.


Datenquelle: http://www.bp.com (Statistical Review of World Energy 2007)
Berechnung und Darstellung: Jenni Energietechnik AG
   
Drei Viertel der Welt-Erdölreserven liegen im arabisch-mesopotamischen Raum (v.a. Saudi-Arabien, Irak, Kuweit), im zirkumkaspischen Raum (hier zu fast 75% im Iran) und im übrigen Amerika (hier zu beinahe 80% in Venezuela). Die Hälfte des Erdöls wird von Kanada, USA, Mexiko und Europa verbraucht. Diese Staaten, zusammen mit Australien/Ozeanien, China und den bevölkerungsreichen Staaten Süd-/ Südost- und Ostasiens, verbrauchen mehr Erdöl, als sie selber produzieren, und dies mit zunehmender Tendenz. Diese Staaten sind auch diejenigen, welche weltpolitisch den Ton angeben.

 


Datenquelle: http://www.bp.com (Statistical Review of World Energy 2007)
Berechnung und Darstellung: Jenni Energietechnik AG

Datenquelle: http://www.bp.com (Statistical Review of World Energy 2007)
Berechnung und Darstellung: Jenni Energietechnik AG
   

Die Erdölförderung steht historisch kurz vor ihrem Maximum – oder hat dieses bereits überschritten – und wird künftig nicht mehr über dieses hinaus gesteigert werden können, sondern tendenziell abnehmen. Damit wachsen die Bedeutung der noch vorhandenen Erdölreserven und das Interesse der im globalen Massstab dominierenden Mächte, sie für die eigenen Bedürfnisse verfügbar zu halten bzw. verfügbar zu machen. Generell kann zwischen Förderländern unterschieden werden, die das Fördermaximum bereits überschritten haben, solchen, die sich derzeit in dessen Bereich bewegen, und anderen, die noch über mehr oder weniger grosse Reserven verfügen.

   

Erdölförderländer und Reserven

Länder gemäss Fördertyp

%-Anteil an Weltreserven

Statische Reichweite in Jahren *

Länder nach Fördermaximum

7.7

12.0

Länder im Bereich des Fördermaximums

14.0

18.4

Länder vor dem Fördermaximum

78.4

79.9

Total Welt

100.0

42.0

* die statische Reichweite gibt an, wie lange die vorhandenen Reserven gemäss der Fördermenge eines Referenzjahres (in der Regel das letzte Kalenderjahr) ausreichen würden.

   

Erdölförderländer vor dem Fördermaximum

Die Erdölförderländer, die ihr Fördermaximum noch vor sich haben, weil sie derzeit über wesentliche Reserven verfügen, gehören zu den Schauplätzen der weltpolitischen Auseinandersetzungen der letzten Jahre und der Gegenwart. 

Förderland

%-Anteil an Weltreserven

Statische Reichweite in Jahren *

A

B

C

D

E

F

G

H

I

Aserbeidschan

0.6

30.8

 

 

X

X

 

 

X

 

 

Katar

1.2

39.5

 

 

X

 

 

 

Y

 

 

Nigeria

3.0

41.1

 

 

 

 

X

 

 

 

 

Sudan

0.5

45.9

 

 

 

X

X

X

 

 

 

Libyen

3.3

63.1

X

 

 

X

 

 

X

 

 

Saudi-Arabien

22.1

70.5

 

 

X

X

 

Y

 

 

 

Venezuela

7.0

79.3

 

 

 

 

 

 

 

X

 

Kasachstan

3.3

83.2

 

 

 

 

 

 

X

 

 

Iran

11.5

90.1

X

 

 

 

 

 

X

X

 

VAE *

7.9

94.0

 

 

X

 

 

 

Y

 

 

Kuweit

8.5

105.1

X

X

X

 

 

 

Y

 

 

Irak

9.4

158.0

X

X

X

X

X

 

 

 

X

Total

78.4

79.9

 

 

 

 

 

 

 

 

 

* VAE = Vereinigte Arabische Emirate

A       Opfer einer militärischen Intervention durch fremde Staaten

B       Opfer einer militärischen Besetzung durch fremde Staaten

C       Ausgangspunkt oder politische/militärische/logistische Unterstützung für militärische Aktionen in fremden Staaten als Vasall von Drittstaaten

D       gewaltsame Konflikte mit Nachbarstaaten

E       Bürgerkriegsauseinandersetzungen mit ausländischer Einflussnahme

F        durch Drittstaaten politisch und militärisch gestützte Diktatur (X), vom Westen mit ausdrücklichem Wohlwollen geduldet (Y)

G       autoritäres Regime ohne substantielle demokratische Legitimation (X), vom Westen mit ausdrücklichem Wohlwollen geduldet (Y)

H       Opfer von Destabilisierungsbestrebungen durch Drittstaaten

I        chaotische, kaum kontrollierbare innere Situation

   

Fazit

Das Bestreben der Hauptverbraucher von Erdöl, die wichtigsten Produzentenländer zu kontrollieren und gefügig zu halten, mit den unterschiedlichsten Massnahmen bis hin zur militärischen Intervention, geht über die Sicherung der eigenen Energieversorgung hinaus. Es dient auch dazu, solange wie möglich eigene Investitionen in alternative Energiequellen aufzuschieben, aber auch, um Förderländer mit nicht genehmer politischer Ausrichtung daran zu hindern, selbständig zu handeln und durch den Erdölreichtum allenfalls auch eine eigene Alternative aufzubauen. So hat Venezuela bislang die USA ohne Einschränkungen mit Erdöl bedient, sieht sich aber dennoch mit erheblichem politischen Druck konfrontiert, weil die gegenwärtige Regierung im Gegensatz zu ihren Vorgängerinnen nicht mehr auf der US-amerikanischen Linie liegt.

Erdöl stellt, zusammen mit den anderen fossilen Energieträgern, nach wie vor der Hauptlebensnerv der Weltwirtschaft dar, ein Lebensnerv, der ständig und ununterbrochen neu alimentiert werden muss. Ein Aufschub kann nicht hingenommen werden. Gegebenenfalls fallen sämtliche Rücksichten und Skrupel weg, wenn es gilt, den Erdölfluss aufrechtzuerhalten. Zeigt die Erdöluhr auf Null (vgl. Karikatur), kann dies auch Krieg bedeuten.
   
   
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Jenni Energietechnik AG