Was noch bleibt, ist die Sonne
Oberburg Josef Jenni wurde gestern der
«Watt d'Or» vom Bundesamt für Energie verliehen
Gestern wurde der Oberburger Josef Jenni vom Bundesamt für
Energie mit dem «Watt d'Or» für sein Lebenswerk ausgezeichnet.
«Eine solche Würdigung tut gut», sagt der 55-jährige
Unternehmer.
Im europäischen Raum wird er Solarpionier genannt, er selber
bezeichnet sich als Umweltaktivist - die Rede ist von Josef
Jenni, der gestern vom Bundesamt für Energie (BFE) mit dem «Watt
d'Or» ausgezeichnet wurde. Den Preis erhält der Inhaber der
Firma Jenni Energietechnik AG in Oberburg für sein Lebenswerk
zugunsten der Solarenergie.
«Natürlich habe ich Freude an dieser Auszeichnung», sagt der
55-jährige Josef Jenni. Es sei eine Anerkennung der Arbeit, die
dahinter stehe. Manchmal gebe es schon Momente, wo man sich
frage, ob das Ganze etwas bringe und da «tut eine solche
Würdigung gut». Es sei aber nicht nur seine Leistung, das dürfe
man nicht vergessen, «es braucht auch gute Mitarbeiter». Der
Preis sei eine Anerkennung für den gesamten Betrieb.
«Auf die Schulter klopfen»
Mit 55 Jahren für das Lebenswerk ausgezeichnet zu werden,
findet Jenni «speziell». Er habe sich schliesslich nicht um
diesen Preis bemüht, irgendjemand habe ihn vorgeschlagen - er
wisse aber nicht wer. Für den Bund sei es natürlich wichtig,
dass Leuten wie ihm «auf die Schulter geklopft werde». So mache
er den Menschen Mut und sage: «Weiter so.» Trotzdem: «So ein
Preis ist immer relativ», sagt er, «ich habe zwar riesig Freude,
aber es gibt auch noch andere Sachen.» Konkret kann der
Solarpionier gleich zwei Dinge nennen. Einerseits habe die «Tour
de Sol» Mitte der 80er-Jahre bei ihm grossen Eindruck
hinterlassen. Damals hatte Jenni die Idee, die Schweiz mit
Solarfahrzeugen zu durchqueren. Über den Start in Romanshorn
hätten rund sechs Fernsehstationen berichtet und sogar
Helikopter seien für die Berichterstattung eingesetzt worden.
«Fast 100 skurrile Solarfahrzeuge sind gekommen», sagt er, «das
war einer meiner grossen Momente.» 1989 ging er einen Schritt
weiter, als er ein «Sonnenhaus» baute, das das ganze Jahr mit
Sonnenenergie versorgt wurde. «Die Fachleute sagten, das geht
nicht», so Jenni. Um so grösser war seine Freude, als er sogar
im solarbeheizten Swimmingpool des neu errichteten Hauses baden
konnte.
Als einen weiteren Höhepunkt Jennis darf man auch den Bau des
ersten 100 Prozent solar beheizten Mehrfamilienhauses mit
saisonalem Wärmespeicher nennen - es wurde im 2007 in Oberburg
eingeweiht.
Preis für Werbung einsetzen
Für den 55-Jährigen ist der Preis zwar «relativ», dennoch
weiss er ihn einzusetzen. «Wir arbeiten damit PR-mässig», so
Jenni. Nun könne er mit seiner Firma Werbung machen, denn Geld
gebe es keines vom BFE. Trotzdem ist der Preis für ihn speziell:
Damit könne er vermehrt aufzeigen, dass erneuerbare Energien
unter anderem sehr leistungsfähig seien.
Er selber betrachte sich als «Umweltaktivist, der mit einer
Firma arbeitet», sagt er, «und nicht in erster Linie als
Unternehmer.» Wie Greenpeace mit einem Schlauchboot unterwegs zu
sein «ist sicherlich lustig», aber so wie er zu arbeiten, sei
auch wichtig. «Ja, ich bin ein Solarpionier», so Jenni, «im
europäischen Raum» sei er «die Nummer eins.» Die Frage, was ihm
die Solarenergie bedeutet, beantwortet Josef Jenni konkret:
«Nicht viel», sagt er, «aber doch alles.» Die Solarenergie sei
die Energieform, die den Menschen auf Dauer erhalten bleibe,
schliesslich sei die fossile Energie endlich und «was noch
bleibt, ist die Sonne».
Josef Jenni
Er wurde 1953 geboren, ist mit Karin Jenni verheiratet und
hat drei Kinder: Esther, Tabea und Josef. Der 55-Jährige ist
Elektroingenieur HTL. Josef Jenni gründete 1976 die
Jenni-Sonnenenergie-Steuerungen, die er 1978 in die Jenni
Energietechnik AG umwandelte. Unter anderem ist er der Erfinder
des Solarfahrzeugrennens «Tour de Sol». 1989 baute er das erste
100-Prozent-Sonnenenergie-Haus. Im letzten Jahr weihte er das
erste zu 100 Prozent solar-beheizte Mehrfamilienhaus ein. Er ist
Träger mehrerer Preise. So wurde Jenni 1994 mit dem nationalen
Solarpreis ausgezeichnet und 1995 erhielt er den europäischen
Solarpreis. Neben seiner Arbeit als Solarpionier ist Josef Jenni
noch EVP-Grossrat. (FWB)
Gütesiegel in Energieszene
Bereits zum zweiten Mal zeichnet das Bundesamt für Energie
(BFE) mit dem «Watt d'Or» Personen und Organisationen aus, die
mit ihrem Unternehmer- und Innovationsgeist den Weg in eine
nachhaltige Energiezukunft vorspuren. Der Preis ist ein
Gütesiegel in der Energieszene. Das Amt vergibt den «Watt d'Or»
alljährlich an mehrere Projekte in den fünf Kategorien
Gesellschaft, Energietechnologien, Erneuerbare Energien,
Mobilität und Gebäude. Heuer wird erstmals ein Spezialpreis der
Jury vergeben, den Josef Jenni für sein Lebenswerk erhält. Die
18-köpfige Jury setzt sich aus qualifizierten Vertreterinnen und
Vertretern aus Politik, Forschung, Kantonen, Wirtschaft,
Architektur sowie aus Fach- und Umweltverbänden zusammen. Der
«Watt d'Or» ist nicht dotiert, es werden keine Preisgelder
ausgeschüttet. Jedoch dürfen die Gewinner eine Trophäe mit nach
Hause nehmen: eine riesige Schneekugel. (MGT, FWB)
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