Mittelland Zeitung vom 9.1.2008, Fabienne Wüthrich

Was noch bleibt, ist die Sonne

Oberburg Josef Jenni wurde gestern der «Watt d'Or» vom Bundesamt für Energie verliehen

Gestern wurde der Oberburger Josef Jenni vom Bundesamt für Energie mit dem «Watt d'Or» für sein Lebenswerk ausgezeichnet. «Eine solche Würdigung tut gut», sagt der 55-jährige Unternehmer.

Im europäischen Raum wird er Solarpionier genannt, er selber bezeichnet sich als Umweltaktivist - die Rede ist von Josef Jenni, der gestern vom Bundesamt für Energie (BFE) mit dem «Watt d'Or» ausgezeichnet wurde. Den Preis erhält der Inhaber der Firma Jenni Energietechnik AG in Oberburg für sein Lebenswerk zugunsten der Solarenergie.

«Natürlich habe ich Freude an dieser Auszeichnung», sagt der 55-jährige Josef Jenni. Es sei eine Anerkennung der Arbeit, die dahinter stehe. Manchmal gebe es schon Momente, wo man sich frage, ob das Ganze etwas bringe und da «tut eine solche Würdigung gut». Es sei aber nicht nur seine Leistung, das dürfe man nicht vergessen, «es braucht auch gute Mitarbeiter». Der Preis sei eine Anerkennung für den gesamten Betrieb.

«Auf die Schulter klopfen»

Mit 55 Jahren für das Lebenswerk ausgezeichnet zu werden, findet Jenni «speziell». Er habe sich schliesslich nicht um diesen Preis bemüht, irgendjemand habe ihn vorgeschlagen - er wisse aber nicht wer. Für den Bund sei es natürlich wichtig, dass Leuten wie ihm «auf die Schulter geklopft werde». So mache er den Menschen Mut und sage: «Weiter so.» Trotzdem: «So ein Preis ist immer relativ», sagt er, «ich habe zwar riesig Freude, aber es gibt auch noch andere Sachen.» Konkret kann der Solarpionier gleich zwei Dinge nennen. Einerseits habe die «Tour de Sol» Mitte der 80er-Jahre bei ihm grossen Eindruck hinterlassen. Damals hatte Jenni die Idee, die Schweiz mit Solarfahrzeugen zu durchqueren. Über den Start in Romanshorn hätten rund sechs Fernsehstationen berichtet und sogar Helikopter seien für die Berichterstattung eingesetzt worden. «Fast 100 skurrile Solarfahrzeuge sind gekommen», sagt er, «das war einer meiner grossen Momente.» 1989 ging er einen Schritt weiter, als er ein «Sonnenhaus» baute, das das ganze Jahr mit Sonnenenergie versorgt wurde. «Die Fachleute sagten, das geht nicht», so Jenni. Um so grösser war seine Freude, als er sogar im solarbeheizten Swimmingpool des neu errichteten Hauses baden konnte.

Als einen weiteren Höhepunkt Jennis darf man auch den Bau des ersten 100 Prozent solar beheizten Mehrfamilienhauses mit saisonalem Wärmespeicher nennen - es wurde im 2007 in Oberburg eingeweiht.

Preis für Werbung einsetzen

Für den 55-Jährigen ist der Preis zwar «relativ», dennoch weiss er ihn einzusetzen. «Wir arbeiten damit PR-mässig», so Jenni. Nun könne er mit seiner Firma Werbung machen, denn Geld gebe es keines vom BFE. Trotzdem ist der Preis für ihn speziell: Damit könne er vermehrt aufzeigen, dass erneuerbare Energien unter anderem sehr leistungsfähig seien.

Er selber betrachte sich als «Umweltaktivist, der mit einer Firma arbeitet», sagt er, «und nicht in erster Linie als Unternehmer.» Wie Greenpeace mit einem Schlauchboot unterwegs zu sein «ist sicherlich lustig», aber so wie er zu arbeiten, sei auch wichtig. «Ja, ich bin ein Solarpionier», so Jenni, «im europäischen Raum» sei er «die Nummer eins.» Die Frage, was ihm die Solarenergie bedeutet, beantwortet Josef Jenni konkret: «Nicht viel», sagt er, «aber doch alles.» Die Solarenergie sei die Energieform, die den Menschen auf Dauer erhalten bleibe, schliesslich sei die fossile Energie endlich und «was noch bleibt, ist die Sonne».

 

Josef Jenni

Er wurde 1953 geboren, ist mit Karin Jenni verheiratet und hat drei Kinder: Esther, Tabea und Josef. Der 55-Jährige ist Elektroingenieur HTL. Josef Jenni gründete 1976 die Jenni-Sonnenenergie-Steuerungen, die er 1978 in die Jenni Energietechnik AG umwandelte. Unter anderem ist er der Erfinder des Solarfahrzeugrennens «Tour de Sol». 1989 baute er das erste 100-Prozent-Sonnenenergie-Haus. Im letzten Jahr weihte er das erste zu 100 Prozent solar-beheizte Mehrfamilienhaus ein. Er ist Träger mehrerer Preise. So wurde Jenni 1994 mit dem nationalen Solarpreis ausgezeichnet und 1995 erhielt er den europäischen Solarpreis. Neben seiner Arbeit als Solarpionier ist Josef Jenni noch EVP-Grossrat. (FWB)

Gütesiegel in Energieszene

Bereits zum zweiten Mal zeichnet das Bundesamt für Energie (BFE) mit dem «Watt d'Or» Personen und Organisationen aus, die mit ihrem Unternehmer- und Innovationsgeist den Weg in eine nachhaltige Energiezukunft vorspuren. Der Preis ist ein Gütesiegel in der Energieszene. Das Amt vergibt den «Watt d'Or» alljährlich an mehrere Projekte in den fünf Kategorien Gesellschaft, Energietechnologien, Erneuerbare Energien, Mobilität und Gebäude. Heuer wird erstmals ein Spezialpreis der Jury vergeben, den Josef Jenni für sein Lebenswerk erhält. Die 18-köpfige Jury setzt sich aus qualifizierten Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Forschung, Kantonen, Wirtschaft, Architektur sowie aus Fach- und Umweltverbänden zusammen. Der «Watt d'Or» ist nicht dotiert, es werden keine Preisgelder ausgeschüttet. Jedoch dürfen die Gewinner eine Trophäe mit nach Hause nehmen: eine riesige Schneekugel. (MGT, FWB)

 

 
 

Jenni Energietechnik AG