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A. R. Washington, 26. April
Vor dem Hintergrund rekordhoher Erdöl- und Benzinpreise hat
der amerikanische Präsident Bush am Montag mehrstündige Gespräche
mit dem saudiarabischen Regenten, Kronprinz Abdallah, auf seiner
Ranch in Texas geführt. Amerikanische Hoffnungen auf eine Zusage
Saudiarabiens zu einer unmittelbaren Erhöhung seiner Rohölproduktion
gingen dabei jedoch nicht in Erfüllung. Als kurzfristiges Mittel
zur Senkung der Benzinpreise hatte Bush letzte Woche in einer
Grundsatzrede zur Energiepolitik angekündigt, die Erdölstaaten
zu einer maximalen Ausweitung ihrer Förderung bewegen zu wollen.
Das Weisse Haus unter politischem Druck
Abdallah, der von seinem Erdölminister begleitet wurde,
unterrichtete die amerikanische Seite stattdessen über einen Plan
zur langfristigen Steigerung der Produktionskapazitäten.
Saudiarabien hat in den letzten Jahren seine Erdölhahnen weit
aufgedreht und fördert derzeit etwa 9,5 Millionen Barrel pro Tag.
Bei einer Tageskapazität von rund 11 Millionen Barrel ist der
Spielraum für eine weitere Produktionssteigerung längst nicht
mehr so gross wie früher, was die Sorge um die langfristige
Deckung der steigenden Weltnachfrage verstärkt. Der saudische
Plan sieht nun vor, die Förderkapazität mit hohen Investitionen
bis 2010 auf 12,5 Millionen und im nächsten Jahrzehnt auf 15
Millionen Barrel pro Tag auszuweiten. Die USA äusserten sich
erfreut über diese Absicht.
Die hohen Energiepreise und Spekulationen über einen
explosionsartigen Anstieg im Sommer stellen für Bush zunehmend
eine innenpolitische Belastung dar. Vor gut vier Jahren war er mit
dem Wahlkampfversprechen angetreten, den erdölproduzierenden Ländern
tiefere Preise abzupressen; seit seinem Amtsantritt hat sich der
Rohölpreis jedoch mehr als verdoppelt, und die Benzinpreise
stiegen um durchschnittlich 50 Prozent. Auch wenn der Literpreis
an amerikanischen Tankstellen mit umgerechnet 70 Rappen für europäische
Verhältnisse noch immer spottbillig erscheint, hat die
Autofahrernation USA den Anstieg unangenehm zu spüren bekommen.
Unmittelbare Probleme bereitet dabei laut Experten weniger das Rohölangebot
als die mangelnden Verarbeitungskapazitäten in den USA. Laut
einem hohen Berater des Königshauses würde es daher nichts nützen,
wenn Saudiarabien kurzfristig mehr Rohöl auf den Markt würfe.
Gleichentags kritisierte der gescheiterte demokratische Präsidentschaftskandidat
Kerry im Senat die Energiepolitik des Weissen Hauses. Er forderte
die Verringerung der Abhängigkeit von ausländischem Erdöl und
die Förderung alternativer Energien. Ähnliche Ziele proklamiert
auch das von den Republikanern vorgeschlagene und vom Repräsentantenhaus
kürzlich verabschiedete Energiegesetz, wenn auch weniger ambitiös
und durchsetzt mit Vergünstigungen für herkömmliche
Energieproduzenten.
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